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19.11.2017 : 9:37




Tulpen

Sympathische Frühlingsboten

Es gibt weltweit wohl kaum einen Menschen, der die Tulpe nicht kennt. Schon in der Grundschule machen (fast) alle Kids im Biologieunterricht ausführliche Bekanntschaft mit dieser Pflanze. Zunächst mit einem Modell, das interessante Einblicke in den Aufbau von Zwiebel und Blüte bietet. Später wird mit dem "lebenden Objekt" experimentiert. Die Tulpe hat aber nicht nur einen hohen Bekanntheitsgrad, sondern ist zudem noch außerordentlich beliebt. Als Schnittblumen und auch im Outdoorbereich sind Tulpen unverzichtbar. Ein Garten, eine Terrasse, ein Balkon oder ein Park ohne diesen Frühlingsblüher? Undenkbar!  

Tulpen zählen zu den wenigen saisonalen Produkten des Gartenbaus. Das Geschäft beginnt meist im September / Oktober. Dann stehen erst einmal die Zwiebeln im Mittelpunkt des Geschehens. Viele Millionen werden im Herbst eines jeden Jahres in Gartenbeete, Kübel, Schalen und Balkonkästen gesetzt. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich auch das Vortreiben (ab September bis Dezember) von Zwiebelblühern im Zimmer. Die ersten Tulpen im Schnitt beleben etwa ab Mitte November den Blumengroßmarkt, ihre Hochzeit hat diese Blume um die Osterzeit.

Massenprodukt ohne Nebenwirkungen: Rund eine Million Tulpen gehen in der Haupthandelszeit Tag für Tag über die Ladentheken. Eine Massenproduktion, bei der "Chemie" über viele Jahre eine große Rolle spielte. Nach aufrüttelnden Presse- und TV-Berichten über den "Gifteinsatz auf holländischen Tulpenfeldern" begann das große Umdenken. In jüngster Zeit stellen immer mehr Produzenten auf umweltfreundliche Anbaumethoden um. Massenproduktion ohne Nebenwirkungen - das ist das Ziel nicht nur der niederländischen Erzeuger. Das ist natürlich auch für den Blumenfachhandel ein überzeugendes Verkaufsargument, wenn es darum geht, für ökologisch verträgliche Produkte einen etwas höheren Preis zu verlangen.

Niederländische Orientalin: Auch wenn Tulpen gemeinhin mit den Niederlanden in Verbindung gebracht werden, so liegt ihre Heimat doch weit jenseits der holländischen Blumenzwiebelfelder. Ursprünglich stammen sie beziehungsweise ihre wild wachsenden Vorfahren aus West- und Zentralasien, hauptsächlich aus Armenien, Persien und dem Kaukasus. Von diesen Ländern breitete sie sich bis in die mediterranen Landschaft und sogar bis nach China aus.

Den Weg nach Europa fand die Tulpe über die Türkei. Die Sultane schätzten und ehrten ihre Schönheit ganz besonders. Über 500.000 Tulpen blühten in den Gärten des Serails. In jedem Frühjahr wurden, während der Vollmond am Himmel stand, rauschende Tulpenfeste gefeiert. Hunderte kostbarer Vasen dekorierte man mit den schönsten Tulpenvarietäten. Die Damen des Hofes waren aufgefordert, sich mit ihrer edlen Garderobe aus Samt, Seide und Brokat den Farben der Tulpen anzupassen. Der Trend, die Tulpe als Modeaccessoire zu verwenden, setzte sich auch in Europa durch. Im Frankreich des Sonnenkönigs galt die Tulpe als Hofblume par excellence; eine höfische Dame konnte einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen, wenn sie ihr Dekolleté mit einer einzelnen Tulpe schmückte.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Zwiebeln zum hoch gehandelten Spekulationsobjekt an den so genannten Tulpen-Börsen. Bis zu 3.000 Gulden zahlte man für eine Tulpenzwiebel. Doch die Blütenträume zahlreicher Spekulanten zerplatzten, nachdem die Regierung intervenierte und dem Rausch ein jähes Ende bereitete. Dennoch gedieh die Tulpe prächtig und machte die Niederlande zum Tulpenland weltweit.

Formen- und Farbenvielfalt: In jedem Jahr gibt es neue Tulpen-Sorten mit Blütenformen- und Farben, die aus dem Rahmen fallen. So glänzt das Sortiment mit gefransten, lilienblütigen, einfachen und gefüllten, botanischen oder papageiblütigen Arten in fast allen nur denkbaren Farbnuancen. Lediglich die blaue und die tiefschwarze Tulpe wurde noch nicht gezüchtet.

Blüte mit Stiel & Zwiebel: Tulpen, mit Zwiebel verarbeitet, sind eine Variante zur traditionellen Schnittblume. Die Blüten werden mit der Zwiebel am Stiel geliefert. Durch den Nahrungsvorrat in der Zwiebel bleiben die Tulpen länger "frisch", und die Blüten bleichen nicht so schnell aus. Wenn der letzte Rest Erde von den Zwiebeln gespült wird, können die Blumen in eine Vase mit etwas Wasser gestellt werden, in das die Wurzel gerade hineinragt.

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